"Das werde ich entscheiden, wenn ich diesen Körper hier verlasse..."
Ein SOPOR AETERNUS-Interview kann man nicht beschreiben oder zusammenfassen.
Man muss es lesen, denn nur so wird man hineingezogen in die todessehnsüchtige,
schaurig-schöne Welt dieses außergewöhnlichen Projektes...Ich habe ein Interview mit Anna gefunden von Anfang `97, das noch nicht aufgelistet ist
und poste es einfach mal:
O: Genau vor einem Jahr veröffentlichtest du das Vorgängeralbum "Todeswunsch".
Was hat sich bei dir in der Zwischenzeit so alles getan, außer den Vorbereitungen zum neuen Album?Anna-Varney: War die "Todeswunsch" wirklich erst vor einem Jahr? Seltsam, mir kam es irgendwie länger vor...
Hm, was hat sich ereignet? So einiges... Naja, dieses und jenes eben. Höchst bedeutsam für mich, doch wenig interessant für andere. Weißt du, hier auf unserer Seite ist das alles so ziemlich eins, das sich in stetigem Fluß untereinander beeinflußt und ineinander übergeht. Darum ist es auch etwas schwierig für mich, ein einzelnes Ereignis als besonders hervorzuheben, da nicht ganz klar ist, wo dieses denn eigentlich beginnt bzw. wo es endet. Ursache und Wirkung sind nicht wirklich voneinander getrennt und scheinen zuweilen auch in keinem
kausalen Zusammenhang zu stehen.
O: du bezeichnest Sopor Aeternus als Hilfe zur Selbstheilung.
Gab es zwischenzeitlich einen Fortschritt in Richtung Heilung?A-V: Ein Fortschritt? Hm, ich glaube schon... - ja. Ein größeres Verständnis zumindest, Veränderung.
Selbstheilung und Selbstfindung sind hierbei, wie ich glaube, identisch. sobald MAYA, die große Illusion,
überwunden ist, kann wirkliche Heilung - Einswerdung - erreicht werden...; jenseits der Inkarnation bzw.
ihrer Notwendigkeit.
O: Was kümmert dich zur Zeit am meisten und macht dein Herz schwer?A-V: Gedanken und Gefühle...
O: Erzähle bitte etwas über dein neues Werk. Du hast, wie ich mitbekommen habe, sehr lange daran gearbeitet.
Was sind die Inhalte von "The Inexperienced Spiral Traveller"?A-V: Momentaufnahmen einer spirituellen Reise, der "Entwicklung" einer Seele hin zur Menschwerdung.
O. Was meinst du, hat sich in musikalischer Hinsicht zwischen "Todeswunsch" und "The Inexperienced Spiral Traveller" geändert?A-V: Weniger Text... - Ich glaube, es gibt einen Bereich in unserer Seele, der sich der Sprache verschließt, der gewissermaßen jenseits der Worte liegt. Auch lassen sich bestimmte Erfahrungen einfach nicht mehr in Worte fassen, da die menschliche Sprache keine "Begriffe" für sie kennt. Es ist ein bischen wie im BUTHO-Tanz; du weißt schon, das ewig Ungeborene und der Raum dazwischen, das Universum als sich stückweise offenbarendes Hologramm. als ich mit der bewußten Arbeit an "The Inexperienced Spiral Traveller" begann, befand ich mich in großer Verlegenheit, so wie jedesmal, wenn etwas Neues begonen wird und noch nicht ganz genau zu erkennen ist, wie das Saatkorn aufgehen wird und welche Form aus ihm erwachsen soll. Obwohl natürlich die letztendliche Gestalt durch die Position des Anrufers im Raum-Zeit-Kontinuum bereits genau definiert ist, scheint die "DNA" des Wesens während seines Wachstums allein durch den Umstand der Beobachtung durch den Anrufer, sowie seiner Gebundenheit und die wie-auch-immer geartete Interaktion mit dem Kosmos, der Außenwelt, beeinflußt, ja, stetig umgeschrieben und ergänzt zu werden.
Das kann natürlich sehr verwirrend sein, besonders dann, wenn die aktuelle Übergangsform nur noch wenig äußerliche Ähnlichkeit mit der vorangegangen aufweist. Der Ego-Teil meines Wesens wollte natürlich unbedingt, dass das neue Album sehr schwer und dunkel werden sollte, und alle Saturnkinder waren sofort hellauf begeistert... jedenfalls nach ihren eigenen Maßstäben. Als sich nach der ersten Anrufung dann allerdings ein blaues Licht zeigte, waren alle doch sehr verwundert, um nicht zu sagen, verwirrt, denn kein bekanntes Geschöpf des Kontinuums hatte jemals eine bewußte Affinität zu dieser Schwingung gezeigt.
Um es noch deutlicher zu machen, wirklich niemand hier mochte dieses blaue Licht und doch ging eine seltsame Anziehungskraft und Vertrautheit davon aus! Dafür konnte es nur eine logische Erklärung geben: ein neues Geschöpf, das bisher geschlafen hatte, war im Begriff, sich zu offenbaren, im Ensemble zum
Bewußtsein zu erwachen... Und dies mußte ein Wesen sein, das die Fähigkeiten besitzt, die Pforten zu fremden, bisher unbekannten Dimensionen, bzw. "Be-reich-en" zu öffnen und diese, zumindest stückweise, zu erforschen. Auch auf einer anderen Ebene zeigte sich dieses Phänomen. Als ich versuchte, die Texte zu "Spiral Traveller" zu sammeln, fand ich mich mit einer traurigen und gleichsam seltsamen Leere konfrontiert. Die einzigen Worte,
die ich empfing, waren: "There is nothing I can tell you! There is nothing left to say! Everything is beyond words!" Ich wußte erst nicht recht, was ich damit anfangen sollte, und war deswegen auch ein wenig mißmutig.
Was sollte ich jetzt also tun? Wohin sollte ich gehen und wen konnte ich fragen?
Schließlich konnte man doch wohl kaum von mir erwarten. auf dem ganzen Album nur jene drei Sätze zu wiederholen. Das wäre für eher Trance-orientierte Projekte bestimmt passend gewesen, allerdings für Sopor augenblicklich nicht unbedingt geeignet. Offensichtlich wollte man, dass ich einen neuen Weg einschlagen sollte. Doch da war absolut nichts zu sehen... - außer diesem schwachen, bläulichen Lichtschimmer. Aber ich scheute mich vor dieser Alternative. Zum einen, weil ich nicht wußte, was mich dort erwarten würde in diesem scheinbar so substanzlosen Reich, zum anderen natürlich, weil mein Ego seine ganz eigene Vorstellung von dem hatte, wie das neue Album aussehen müsse. Doch es blieb bald keine andere Wahl mehr, die Zeichen zum Aufbruch wurden immer deutlicher - dringlicher - und da es keinen "Aus-weg" gab, fügte ich mich und nahm die Veränderungen an.
Bald wurde allerdings klar, dass ich noch nicht bereit war, bestimmte Dinge zu singen, und so mußten sich für den Moment die Mehrzahl der Stücke in instrumentaler Form offenbaren. Darum erschließt sich "Spiral Traveller" auch nicht über den Intellekt, sondern über die Feinfühligkeit der Seele, der Sensivität eines offenen Herzens.
O: Wie würdest du deine Musik beschreiben?A-V: "Mit freundlichem Herzen und offenem Geiste fliegt ein trauriges Ungetüm durch den zaubrischen Glanz
einer angenehmen Sonne, die nicht im geringsten schmerzhaft ist, hin zu tausend neuen Himmeln."
O: In deinem letzten Brief an mich hast du mit dem Namen Anna-Varney unterschrieben.
Warum genau trägst du nun auch einen weiblichen Vornamen?A-V: Den trage ich schon seit ewigen Zeiten, doch aus Bequemlichkeit und wohl auch stimmungsbedingt habe ich ihn bisher meistens abgekürzt, zumal ohnehin jeder nur "Varney" sagt. Ich vermute, dich nennt auch niemand "Claus-Peter", oder? Das Problem bei der Sache ist nur, - d.h. wenn frau gewillt ist, hieraus ein Problem zu machen - dass sich für viele der Name "Varney" nicht eindeutig zu einem bestimmten Geschlecht zuordnen läßt, und selbst wenn die Menschen mir begegnen, können sie meist nie mit Bestimmtheit sagen,
ob ich denn nun männlich oder weiblich sei! Erst wenn sie meine, für eine Frau doch sehr tiefe Stimme hören,
vermuten sie, dass ich wohl doch männlich sein müsse und liegen damit natürlich prompt falsch!
Eines jener Dramen, wenn frau nicht die gängigen Klischees bedient! Ha, ich erinnere mich noch, als ich vor Jahren einen Anruf für meine Mutter entgegennahm. Es war wohl eine Kollegin von ihr, und als sie mir ihre Informationen übermittelt hatte, fügte sie noch hinzu: "Ah, also sie müssen dann wohl der Sohn sein?" -
"Hm, mehr oder weniger", meinte ich nur. "Was soll das heißen, `mehr oder weniger`?" - "Na, eigentlich bin ich
die Tochter!!!" - "Was, mit so einer Stimme...? Das ist ja toll!!!" - "Danke", brummte ich im tiefsten Bass,
der mir gelingen wollte, und grinste! Das war damals genau nach meinem Geschmack.
Leider läuft es aber nicht immer so problemlos ab, und da ich es zuweilen schon als recht nervend empfinde,
mache ich nun von vornherein klar: "Mein Name ist Anna-Varney! Laß dich nicht von der Stimme täuschen,
du sprichst mit einer Frau!!!"
O: Seit wann fühlst du dich zwischen den zwei Geschlechtern stehend?A-V: Seit meiner Geburt. Ach, es war wenig erfreulich, das kann ich dir sagen.
O: Hat Sex für dich eine Bedeutung? Von welchem Geschlecht fühlst du dich mehr angezogen?A-V: Eine "Bedeutung"??? Claus, Darling, ist das etwa deine Art zu fragen, ob ich Sex habe?
Wirklich, sehr eloquent mein Guter! - Nein. Obgleich ich heute als (theoretisch) heterosexuelle Frau lebe,
habe ich keinen Sex. Wozu auch??? Für eine Priesterin der neutralen Zone kommt dies ohnehin nicht in Frage,
und auch als freie Kriegerin werde ich mich so schnell keinem Mann hingeben!
O: Was genau ist eine "Priesterin der Neutralen Zone"?A-V: Eine augenscheinlich androgyne und vertrauenswürdige spirituelle Arbeiterin/Helferin, die Außenstehenden
oftmals als distanziert bis gefühlskalt erscheint.
O: In unserem letzten Interview sagtest du, du seiest auf der Suche nach dir selbst.
Bist du inzwischen dem Ziel etwas näher gekommen?A-V: Ja, und jeden Tag ein Stückchen mehr!
O: Und wie gehst du bei dieser Suche vor?A-V: Mit offenen Sinnen und tiefem Vertrauen in die Führung durch die höheren Mächte.
(Die praktische Arbeit kann ich dir hier allerdings nicht vermitteln.)
O: Du sagtest einmal, dass du an Reinkarnation glaubst. Ist dir von deinem früheren Leben noch etwas bewußt
oder etwas schwach in Erinnerung?A-V: Ja, allerdings nur sehr schwach. Das liegt daran, dass ich vor meiner jetzigen Inkarnation beschlossen habe, alle diese Dinge zu vergessen, und gleichsam bestimmte, dass sie sich erst zu einem festgelegten
Zeitpunkt wieder offenbaren sollen. Überhaupt ist "Erinnerung" ein essentieller Aspekt meiner Reise.
O: Was, glaubst du, hast du in deinem früheren Leben gelernt?A-V: Ich vermag es nicht mit Bestimmtheit zu sagen.
Vermutlich wohl all jene Dinge, die mir heute besonders leicht von der Hand gehen, selbst schon beim ersten
Versuch, Orte und Begebenheiten, die mich beinahe "magisch" anziehen, an denen ich mich geborgen und
zuhause fühle, Menschen, denen ich begegne und das Gefühl habe, sie schon ewig zu kennen...
Naja, das Übliche eben. Du kennst das ja bestimmt. Und irgendwann wird es eben konkret.
O: Und was für Fehler waren die deinigen?A-V: Das ist die gleiche Frage, Claus! Naja, jedenfalls sollte im Idealfall die Antwort identisch sein.
O: Was wird dein nächstes Leben sein - oder was ist dein Wunsch?A-V: Das werde ich entscheiden, wenn ich diesen Körper hier verlasse... -
Im Moment bin ich noch vollauf mit dieser Inkarnation beschäftigt.
O: Was fasziniert dich am Tod?A-V: Darling, was so landläufig als "Tod" bezeichnet wird, ist nichts weiter, als der Übergang von einer
Daseinsform in eine andere. Was mich daran fasziniert? Ich bin Anna-Varney, und damit ist wohl alles klar...!
O: Glaubst du, dass Religion u. a. auch deswegen so wichtig für viele Menschen ist, weil sie glauben,
dass ihnen die Angst vor dem Tod etwas genommen wird?A-V: "Re-Ligio" ist die Rückbindung an den Kosmos, die Ordnung und "Ein-Heit" des Universums.
Es ist der Weg zurück zu dem wahren Wesen eines jeden Menschen, der Weg zu uns selbst, der irgendwann
in die Erkenntnis (impliziten Ordnung) mündet: Doch so viele Menschen es gibt, so mannigfach sind eben auch die Beweggründe"!
O: Ein paar letzte Worte?A-V: Bitte, seid wahrhaftig!!! Denn, wann immer ein Menschenkind lügt, tötet es damit einen Teil der Welt.